Die Genealogica 2021 – meine Nachlese

Nun ist schon wieder einige Zeit vergangen, seit die Genealogica im Februar ihre Türen geschlossen hat. Monatelang sind durch die zeitaufwendige und auch sehr anstrengende Vorbereitung der Genealogica die meisten anderen Themen bei mir in den Hintergrund getreten, und nach dem Ende der Veranstaltung war bei mir erst einmal ein wenig die Luft raus, und ich hatte mich um andere Dinge zu kümmern.

Aber da das Ganze ein wichtiges und riesiges Projekt für mich war, habe ich die letzten Tage das Erlebnis Revue passieren lassen und möchte nun noch einen persönlichen Blick zurück auf die Genealogica werfen.

Die Genealogica in Zahlen

Auch wenn wir groß geträumt hatten, und ich mir sogar noch höhere Ziele gesteckt hatte: Am Ende war ich doch beeindruckt und von der Resonanz überwältigt. Hier ein paar Zahlen zur Veranstaltung:

  • 369 Besucher aus 12 Ländern – darunter die USA, Israel, Namibia und die Niederlande
  • 28 Aussteller mit Messeständen
  • 5 Partner-Unternehmen
  • 21 Vorträge im Hauptprogramm
  • 20+ Impulsvorträge an Ausstellerständen
  • 17 Sprechstunden an Ausstellerständen

Genealogica - Ahnenforschung online Festival Veranstaltung Genealogie Familienforschung - Logo -1041x568Schon einmal vorweg geschickt: Ich bin echt stolz, was Barbara Schmidt (Die Welten verbinden) und ich hier auf die Beine gestellt haben – vor allem, weil es im deutschsprachigen Raum die allererste Online-Veranstaltung dieser Art für Ahnenforschung war.

Aber wie kam es eigentlich dazu ….

Wie die Idee entstand

Als Selbständige im Bereich IT (Computerlinguistik und Künstliche Intelligenz) arbeite ich seit mittlerweile 6 Jahren größtenteils vom Heimbüro aus. Digitale Kommunikationskanäle und Arbeitsformen gehören zu meinem täglich Brot. Letztes Jahr hat allerdings sozusagen noch eine Schippe draufgetan.

Spätestens im Februar 2020 war schon klar, daß sämtliche meiner bereits für 2020 angesetzten Konferenzen im In- und Ausland dem Coronavirus zum Opfer fallen würden – und innerhalb kürzester Zeit wurden digitale Alternativen geschaffen!

Es dauerte natürlich nicht lange, bis auch geplante genealogische Veranstaltungen in Deutschland und im Ausland abgesagt wurden, sei es der Deutsche Genealogentag in Tapfheim (August), aber auch die MyHeritage LIVE in Israel (Oktober) und die RootsTech London (November). Ehe ich mich versah, war mein Kalender 2020 komplett geleert.

Im Sommer letzten Jahres hatte ich – nachdem ich schon an unzähligen beruflichen und auch einzelnen genealogischen Online-Veranstaltungen teilgenommen hatte – die Idee: Warum nicht ein völlig neues und virtuelles Format für den deutschsprachigen Raum umsetzen, das Genealogie-Plattformen, Software-Entwickler, Vereine, Berufsgenealogen, Archive und weitere Anbieter mit historischem Bezug sowie Hobby-Ahnenforscher online zusammenbringen kann?

Ein Experiment

Als ich Barbara von meiner Idee erzählte, war sie sofort Feuer und Flamme. Zum einen, weil sie ebenfalls den persönlichen Austausch bei den „traditionellen“ Treffen vermißte, zum anderen erkannte sie das Potential und die vielen Möglichkeiten, die sich mit einem solchen Format bieten würden.

Unser Ziel – und dabei waren wir uns schnell einig – war es, ein völlig neues virtuelles deutschsprachiges Veranstaltungsformat rund um die Genealogie zu kreieren. Dabei wollten wir technisch etwas Neues auszuprobieren, aber auch monetär neue Wege gehen. Wir wollten auf Grund verschiedener Aspekte nämlich auch bewußt keine kostenlose Veranstaltung anbieten:

  • Bewußtsein dafür schaffen, daß das Anbieten solcher Veranstaltungen zeit- und kostenaufwendig ist
  • das Gefühl der Verpflichung zur Teilnahme ist deutlich größer, wenn man dafür bezahlt hat – ja, wir wollten – besonders im Interesse der zahlenden Aussteller – nicht 1.000 unverbindliche Anmeldungen, von denen dann effektiv nur 200 Leute anwesend sind
  • keine Veranstaltung zur passiven „Berieselung“, sondern ein interaktives Mitmach-Festival mit viel aktiver Beteiligung

Zunächst hieß es aber erst einmal die Stimmung zu unserer Idee in der „Szene“ zu sondieren. Mein Traum war es ja, alle möglichen Bereiche unseres vielseitigen Hobbys Ahnenforschung einzubinden – und auch angrenzende Themengebiete. Vor meinem inneren Auge sah ich, wie wir innovative Genealogie-Plattformen, vielfältige Anbieter aus der Vereinswelt und der Berufsgenealogie, staatliche Angebote, private Archive und Forschungsstellen, technische Neuerungen, Angebote für lebendige Geschichte & virtuelle historische Realität, DNA-Genealogie, Dienstleistungen rund um psychologische, transgenerationale Themen wie „Kriegsenkel“ und natürlich Hobbyforscher aus aller Welt zu einer begeisternden deutschsprachigen Leistungschau rund um die Welt unserer Vorfahren zusammenbringen.

Ein Querschnitt der Branche

So rechercherchierten wir über Wochen insgesamt rund 200 potentielle Aussteller – darunter genealogische Vereine , Berufsgenealogen, Archive, Museen & Gedenkstätten, Software-Hersteller, Anbieter von Archivierungs- und Aufbewahrungsmaterialien, Medien und viele mehr aus dem In- und Ausland – und schrieben diese nach und nach an. Dabei stellten wir unseren Traum vor und boten Interessenten an, sich ganz einfach und unverbindlich in unseren Mail-Verteiler eintragen zu können – für mehr Informationen, sobald sich die Idee konkretisiert.

Und was soll ich sagen: die Resonanz war ernüchternd. Nur ein Bruchteil der Angeschriebenen trug sich überhaupt in unseren Verteiler ein, eine einfache Möglichkeit, zumindest ein grundsätzliches Interesse zu bekunden. Von weit mehr als die Hälfte der Angeschriebenen kam keinerlei Resonanz. Das war natürlich enttäuschend. Und für mich auch überraschend, angesichts gähnend leerer Terminkalender auf den Webseiten, beispielsweise von  genealogischen Vereinen und Anbietern von Archivmaterialien. Warum gab es so wenig Interesse an einem neuen Veranstaltungsformat?

Als Aussteller war letztlich keiner der größeren Vereine in Deutschland, Österreich und der Schweiz dabei. Besonders unerklärlich war für mich das Desinteresse und Fehlen des Vereins für Computergenealogie. Sollte nicht gerade ein Verein, der das „Computer“ im Namen trägt, aufgeschlossen gegenüber solchen technologiebasierten neuen Formaten wie der Genealogica sein?

Genealogica - Vortragsprogramm der Aussteller | Screenshot: Anja Klein

Genealogica – Vortragsprogramm der Aussteller | Screenshot: Anja Klein

 

Umso mehr erfreut war ich über die, die Interesse bekundeten, offen für Neues und sogar begeistert waren – und am Ende als Aussteller dabei waren: seien es „Einzelkämpfer“ wie Berufsgenealogen, Händler, Blogger und Software-Entwickler – und auch eine Handvoll (eher kleinere!) Vereine.

Parallel dazu hatten wir auch mit 5 in der genealogischen „Szene“ gut bekannten Anbietern – Ancestry*, Archion, FamilySearch, Heredis* & MyHeritage* – Kontakt aufgenommen und unsere Idee vorgestellt. Alle waren in kürzester Zeit von der Idee überzeugt und sagten zu, uns als Sponsoren zu unterstützen. Wir mußten immerhin für die gesamte Veranstaltung von Gesamtkosten in Höhe einer hohen 4-stelligen Summe ausgehen.

Als dann schließlich seitens unserer Partner die Übernahme etwa der Hälfte der nötigen Ausgaben zugesagt war, habe ich – unabhängig von der bis zu diesem Zeitpunkt dürftigen Resonanz potentieller Aussteller – das Risiko auf mich genommen und schon einmal die Plattformlizenz erworben. Damit war klar: Wir machen Nägel mit Köpfen!

 

Genealogica - die virtuellen Räume der Veranstaltungsplattform Veranstaltung Ahnenforschung Familienforschung Genealogie | Collage: Anja Klein

Genealogica – die virtuellen Räume der Veranstaltungsplattform | Collage: Anja Klein

Neuland: Die Wahl der Technik

Die Entscheidung für eine Veranstaltungsplattform und weitere Software habe ich mir in der Tat nicht leichtgemacht. Über Wochen recherchierte ich, was der Markt in diesem Bereich so hergibt. Und meine Beschäftigung damit führte dazu, daß sich eine Reihe von Voraussetzungen herauskristallisierten, die unbedingt von der eingesetzten Software erfüllt sein sollten:

  • Ermöglichen einer technisch niedrigschwelligen Teilnahme – browserbasiert, d.h. ohne lokale Installation für Veranstalter, Aussteller und Besucher (weniger als „browserbasiert“ geht ja auch gar nicht!)
  • deutschsprachige Benutzeroberfläche im Backend (für Veranstalter & Aussteller) sowie Frontend (für Besucher)
  • realitätsnahe Darstellung einer Messe – mit Hallen und Ständen
  • Möglichkeit der „Selbstbedienung“ für Aussteller – eigenmächtige Gestaltung der Messestände
  • Schnittstelle zu einem Kartenverkauf-Anbieter – automatische Datenübertragung nach Kauf einer Eintrittskarte (nein, man mußte KEIN Konto bei XING anlegen!)
  • Einhaltung deutscher bzw. europäischer Datenschutzstandards
  • und nicht zuletzt: Die Plattform mußte einigermaßen erschwinglich sein! (schließlich mußte ich alles auf Risiko aus eigener Tasche vorfinanzieren)

Als einziger Anbieter, der alle diese Kriterien erfüllte, kam letzten Endes EXPO-IP aus Darmstadt in Frage. Diese Software-as-a-Service (SaaS) war zwar preislich auch eine Herausforderung (die kleinste Lizenz mit 7 Tagen Laufzeit fängt bei knapp 4.800 € brutto an), allerdings noch deutlich erschwinglicher als andere Plattformen, wo man erst mit Lizenzgebühren von 10.000 bzw. 20.000 € einsteigen kann. So eine Entscheidung ist natürlich immer ein Kompromiß – in diesem Fall allerdings einer, mit dem sicherlich die meisten so wie auch ich letzten Endes gut leben konnten.

Da EXPO-IP aber technisch nur das reine „Messegelände“ zur Verfügung stellt, brauchten wir natürlich weitere Software-Komponenten, um Zusatzfunktionen einbinden zu können.

Für ein Vortragsprogramm, das für uns selbstverständlich elementarer Bestandteil eines solchen Online-Festivals sein sollte, brauchten wir zuverlässige und vor allem zahlenmäßig skalierbare virtuelle Vortragsräume. Wir wußten ja vorher nicht, wie viele Besucher überhaupt kommen würden. Letztlich entschieden wir uns hier für den Anbieter Zoom, der technisch sehr leistungsfähig ist und außerdem flexible und günstige Konditionen bietet.

Und natürlich wollten wir auch Interaktionsmöglichkeiten für alle Teilnehmer untereinander schaffen – wir brauchten einen plattformweiten Gruppenchat, Text-/Video-Chat-Funktionen an den Messeständen und virtuelle Räume für den gemütlichen Plausch. Auch dafür gab es eine Reihe von SaaS-Anbieter, die wir evaluieren mußten. EXPO-IP war da zum Glück flexibel, was die Kompatibilität mit unterschiedlichster Interaktionssoftware angeht.

Und letztlich sollte auch der spielerisch-unterhaltsame Aspekt nicht zu kurz kommen: Dafür haben wir Plattformen wie www.wonder.me („Plauderecke“ für ungezwungenes Netzwerken), Padlet (unsere Weltkarte für die Herkunftsorte der Vofahren) und walls.io (für eine „Social Wall“) eingebunden. Der Möglichkeiten und Ideen hatten wir noch viele, aber am Ende hatten wir leider nicht die Kapazitäten, alle unsere Ideen auch umzusetzen.

Genealogica - Negatives Feedback von Teilnehmern Veranstaltung Ahnenforschung Genealogie Familienforschung Messe Kongress Vortrag Vorfahren | Grafik: Anja Klein/wordart.com

Genealogica – Negatives Feedback von Teilnehmern | Grafik: Anja Klein/wordart.com

Feedback und Fazit

In den Rückmeldungen, die wir im Nachgang von den Besuchern über einen Fragebogen erbeten hatten, wurde auch das eine oder andere (allerdings leider anonym!) bemängelt. Vor allem mit Technikproblemen hatten manche zu kämpfen. Das hatte verschiedene Ursachen. Vermutlich hat der eine Browser grundsätzlich für EXPO-IP besser funktioniert als der andere, aber das mußten wir durch die Entscheidung für einen Anbieter in Kauf nehmen. Die eierlegende Wollmilchsau gibt es halt auch bei Veranstaltungsplattformen nicht.

Weitere technische Einschränkungen gab es sicherlich auch durch individuelle Einstellungen auf den Geräten, in den Betriebsystemen und in den Browsern der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, seien es Popup-Blocker oder restriktive Cookie-Einstellungen. Technisch muß natürlich alles zugelassen werden, sonst kann es ja gar nicht funktionieren. Auch nicht geleerte Caches, deaktivierte Kameras und Mikros tragen ein übriges dazu bei. Es wird also leider immer bei irgendjemandem nicht funktionieren.

Genealogica - Positives Feedback von Teilnehmern Veranstaltung Genealogie Ahnenforschung Familienforschung| Grafik: Anja Klein/wordart.com

Genealogica – Positives Feedback von Teilnehmern | Grafik: Anja Klein/wordart.com

 

Insgesamt war das Feedback der Teilnehmer überwältigend positiv. Das war mein Antrieb, und ich bin alles in allem sehr glücklich darüber, wie gut alles funktioniert hat. Gleichzeitig war auch meine Lernkurve sehr steil, und ich nehme viele neue Erkenntnisse und Fähigkeiten mit: Webseite aufsetzen, gestalten und mit Inhalten füllen, Veranstaltungsplattform einrichten und gestalten, Software evaluieren und vieles mehr.

Und: Ist es nicht letztlich faszinierend, was alles heutzutage technisch möglich ist?

Ich freue mich enorm, daß die Begeisterung für die Genealogica und die Möglichkeiten dieses Veranstaltungsformates auch auf einen großen Teil unserer Besucherinnen und Besucher übergesprungen ist, und eine Neuauflage im Jahre 2022 gewünscht wird. Inwiefern und in welchem Umfang ich mich wieder an der Organisation beteiligen würde, kann ich aber zum jetztigen Zeitpunkt noch nicht sagen…

Abschließend an dieser Stelle noch einmal: Herzlichen Dank an alle, die dazu beigetragen haben, die Genealogica zu einem informativen und schönen Erlebnis zu machen!

 

P.S. Als Dankeschön habe ich die Gültigkeit meines Gutscheins aus der Genealogica-Geschenketasche verlängert. Alle, die den Gutschein für meinen Online-Kurs Google – das mächtige Werkzeug für Deine Ahnenforschung während der Genealogica im Februar heruntergeladen haben, können ihn nun noch bis zum 21.03.2021 um 23:59 einlösen.

 


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Eine Medienschau rund um die Genealogica:

Vielen Dank für die schönen Beitrage!

 

 

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Michael Johne
3 Jahre zuvor

Ich freue mich schon die Genealogica 2022.