Wie ich dank Standesamt Königsberg eine Familienlegende entlarvt habe

Das ungemütliche Wetter zu Ostern habe ich genutzt, um mal wieder mein e-Postfach aufzuräumen. Dabei fiel mir das jüngste Angebot von Ancestry in die Hand, meine aktuelle Mitgliedschaft auf International Deluxe „upgraden“ zu lassen. Da mich meine derzeitige Ancestry-Mitgliedschaft Deutschland Premium bei meinen Recherchen nach Vorfahren außerhalb Deutschlands immer wieder an meine Grenzen stoßen ließ, war das Ancestry-Angebot sehr verlockend. So hab ich kurzerhand meine Mitgliedschaft für die nächsten 6 Monate erweitert – juchuu – und die Gelegenheit genutzt, mal wieder in den genealogischen Datenbanken – Kirchenbücher, Adreßbücher – zu stöbern.

Und tatsächlich, in der Ancestry-Datenbank Östliche preußische Provinzen, Polen, Personenstandsregister 1874-1945 (auch mit der Deutschland-Mitgliedschaft zugänglich) bin ich fündig geworden: Unter den aus dem Landesarchiv Berlin stammenden digitalisierten Zivilstandsregistern von Standesämtern in ehemaligen preußischen Provinzen findet sich auch der Sterbeeintrag von Constantin Johannes Ernst Skron von 1918.

Standesamt Königsberg: fein säuberlich Buch geführt

Constantin Skron beim Standesamt Königsberg Ostpreußen | Unterlagen aus Standesämtern in Ostpreußen | Familienforschung in Ostpreußen

Constantin Skron beim Standesamt Königsberg Ostpreußen

Constantin Skron war der Onkel meiner Großmutter Jeanette Kruse. Während meine Großmutter mit Geschwistern und Eltern 1917 aus St. Petersburg in Rußland fliehen mußten, war der Verbleib von Constantin immer rätselhaft geblieben. Überlieferten Familiengeschichten zufolge ist er wie auch andere Familienmitglieder ab 1917 am Ural interniert gewesen, wo er der Legende nach auf der Flucht erschossen worden sein soll. Soweit die Legende.

Der sorgfältige Eintrag im Zivilstandsregister vom Standesamt Königsberg, Ostpreußen erzählt nun eine andere Geschichte: Constantin ist am 20. August 1918 mit nur 35 Jahren in der Städtischen Krankenanstalt Königsberg in Preußen verstorben. Eine Todesursache wird nicht genannt. So werden zwar einige Fragen beantwortet, aber zugleich wieder neue aufgeworfen: Woran ist er gestorben? Wie, wann und warum ist er nach Königsberg gekommen?

Noch andere Fragen bleiben: War er wirklich am Ural interniert? Wenn ja, wo und wie lange?

Aber auch zwei neue Informationen habe ich gewinnen können: Constantin Skron war mit einer Elsa geb. Baumann verheiratet gewesen und wohnhaft in Königsberg am Bergplatz 7.

Bergplatz, Königsberg, Ostpreußen

Bergplatz, Königsberg in Ostpreußen

Und meine Ururgroßmutter Agnes Skron geb. Peto war zur Zeit dieses Eintrags im Personenstandsregister ebenfalls in Königsberg wohnhaft gewesen („wohnhaft hier“). Diese so winzige Information war ein großes Puzzleteil, das mir zumindest eine kleine Brücke baute zwischen der mir bekannten Flucht meiner Ururgroßmutter 1917 aus St. Petersburg und ihrem Tod 1928 in Berlin. Es gab also die (Zwischen-)Etappe Königsberg, sowohl bei Constantin als auch meiner Ururgroßmutter Agnes.

Habt Ihr auch Legenden, die sich in der Familie überliefert haben? Konntet Ihr schon mal eine solche Familienlegende widerlegen?

 


Tip für Ahnenforscher mit Vorfahren aus Ostpreußen

 

Unterlagen aus Standesämtern in Ostpreußen findest Du bei

 


Bildnachweise

 


 

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Sabrina
Sabrina
6 Monate zuvor

Hey,

das ist wirklich immer spannend so etwas zu hören und dann etwas finden zu können. Da hab ich auch 2 Sachen, eine konnte ich aufklären, die andere weiß ich leider noch nichts näheres zu.
Mein Mädchenname ist Pfeifer und ich wurde schon in Kindertagen immer wieder Pfeiffer geschrieben, das war natürlich falsch. Ich fragte irgendwann einmal und mein Vater erzählte mir, dass bei der Hochzeit meiner Großeltern der Standesbeamte betrunken gewesen sei und es falsch schrieb, von da an wurde es immer so geschrieben.

Wie ich mit meiner Forschung anfing und die Daten zusammen sammelte erhielt ich irgendwann die Heiratsurkunde meiner Großeltern und auch die Geburtsurkunde meines Großvaters. Er hieß von je her Pfeifer. Auch die Ahnen davor hießen alle Pfeifer, die ich bisher finden konnte.
Nur einer der Trauzeugen meiner Großeltern unterschrieb mit Pfeiffer.
Vielleicht war ihm oder seinen Eltern dies Missgeschick passiert. Das weiß ich noch nicht.

Das andere was ich bisher nicht aufklären konnte, wie meiner Ururgroßvater mütterl. starb ob er sich tatsächlich in der Moldau ertränkte um der Familie auf der Flucht keine Last zu sein, oder wie auch immer.

Geschichten sind mir immer die Liebsten bei dieser Arbeit.

Lieben Gruß
Sabrina

Last edited 6 Monate zuvor by Sabrina